Atom-Wirrwar: Wer hat Recht, Habeck oder die AKW-Chefs?

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Was sich derzeit rund um die Atomkraftwerke abspielt, ist nahezu beispiellos und erregt bei vielen Kopfschütteln. Zur Erinnerung: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte am Montag seinen AKW-Plan vorgestellt.

Der besagt, dass alle drei in Deutschland am Netz verbliebenen Atomkraftwerke ab dem 1. Januar 2023 keinen Strom mehr produzieren sollen, die beiden Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim aber quasi im Reservemodus bei Bedarf wieder hochgefahren werden können.
Der Ball lag also bei den Betreibern der zwei betroffenen Atomkraftwerke. Der Betreiber von Neckarwestheim hielt sich in der Debatte bisher zurück: EnBW hatte nach der Einigung im Koalitionssauschuss auf den AKW-Reservebetrieb angekündigt, die Machbarkeit dieser Idee prüfen zu müssen.

Preussen-Elektra-Chef Guido Knott reagierte dagegen sofort am Montag in einem Schreiben an das Ministerium, das bei den Medien landete.
Der Betreiber von Isar 2 bezeichnete den Plan des Bundeswirtschaftsministers als „technisch nicht machbar und daher ungeeignet, um den Versorgungsbeitrag der Anlagen abzusichern“. Dies gelte umso mehr, wenn die Anlage komplett heruntergefahren würde, wie es Habecks Plan vorsehe.

Das Tochterunternehmen von Eon gibt an, bereits am 25. August das Ministerium darüber unterrichtet zu haben, dass in einem AKW-Streckbetrieb ein „flexibles Anheben oder Drosseln der Leistung nicht mehr möglich“ sei.

Man weigere sich auch, das AKW bei Bedarf wieder hochzufahren. Preussen Elektra habe keinerlei Erfahrungswerte mit einem solchen Vorgehen und werde das jetzt auch nicht versuchen.
„Das Austesten einer noch nie praktizierten Anfahrprozedur sollte nicht mit einem kritischen Zustand der Stromversorgung zusammenfallen“, schreibt Knott. Die Aussage verwundere ihn, entgegnete Habeck.
Das habe er von Eon auch schon anders gehört. Am Mittwochabend zeigte sich Habeck in einer Sitzung des Klimaschutz- und Energie-Bundestagsausschusses verärgert über das Schreiben: „Eon hat offenbar nicht verstanden, was der Vorschlag war.“

Die Öffentlichkeit bleibt rätselnd zurück.
Müssen die beiden AKW jedoch überhaupt hoch- und wieder heruntergefahren werden? Preussen Elektra nimmt das an, aber das Bundeswirtschaftsministerium sagt, dass das Konzept der Notfallreserve „keineswegs ein wiederholtes Hoch- und Herunterfahren der Anlagen vorsieht“.

Geplant sei vielmehr, wenn man mehr wisse, zu entscheiden, ob es die Atomkraftwerke zur Sicherstellung der Energieversorgung braucht oder nicht. „Das werde man, im Dezember, Januar oder Februar entscheiden.“
Wenn man die Meinungen der Fachleute zusammennimmt, ist die Bewertung recht eindeutig: Es wäre viel günstiger und einfacher, die Kraftwerke im Streckbetrieb direkt ab dem 1. Januar weiterzuführen. Im Hinblick auf die Sicherheit hat keiner der Fachleute bei den beiden AKW Bedenken geäußert, im Gegenteil würden sie zu den sichersten auf der Welt gehören.

Unabhängig von der Frage, ob Habeck oder der Isar-2-Betreiber Recht hat: Dass so eine Diskussion zu diesem Zeitpunkt öffentlich geführt wird, ist sehr ungewöhnlich. Üblicherweise sind solche technischen Fragen geklärt, bevor die Regierung Entscheidungen trifft und öffentlich macht.

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