Explosionen auf Krim-Brücke: Experten haben Zweifel an ukrainischer Version

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Auf der Brücke zur Krim ist es zu Explosionen gekommen. Moskau beschuldigt ukrainische Geheimdienste, das ukrainische Militär spricht von einer „Provokation Moskaus“. Wer könnte hinter dem Angriff stecken? Und was bedeutet er für den Kriegsverlauf?

Russland nennt es einen „Terrorakt“, die Ukraine gibt sich zurückhaltend. Auf der Brücke zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim kam es am frühen Montagmorgen zu einem Zwischenfall.
Medienberichten zufolge wurde die Brücke von einer Überwasserdrohne angegriffen und beschädigt. Wie die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine meldet, soll es zu Explosionen gekommen sein.
Bei dem Anschlag starben zwei Erwachsene, eine Jugendliche wurde verletzt. Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zeigten zudem deutliche Zerstörungen an der Fahrbahn. Der Autoverkehr wurde eingestellt.
Offiziell hat sich Kiew nicht zu einer Attacke bekannt. Die Ukraine hat allerdings wiederholt angekündigt, alle von Russland besetzten Gebiete – inklusive der Krim – befreien zu wollen.

„Die Ukraine übernimmt zwar nicht direkt Verantwortung dafür, äußert sich aber so, dass eine ukrainische Beteiligung durchaus möglich und wahrscheinlich ist“, sagt Alexander Libman im Gespräch mit FOCUS online. Er ist Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Osteuropa und Russland an der Freien Universität Berlin. Wie Libman erklärt, hätte ein Angriff aus ukrainischer Perspektive doppelte Bedeutung.
„Erstens destabilisiert der Vorfall die russische Logistik auf der Krim“, sagt er. Die Brücke dient als Versorgungsweg für die russische Armee, aber auch für die zivilen Einrichtungen auf der Krim.
Dazu kommt die eher schleppend verlaufende, ukrainische Gegenoffensive. Von Kiew gesteuerte Explosionen hätten „symbolische Wirkung – als Zeichen der Fragilität der russischen Kontrolle über die Schwarzmeer-Halbinsel“.
Dass die Ukraine für die Brücken-Explosion verantwortlich sein soll, berichtet auch die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf SBU-Kreise. Demnach sei der Angriff eine „Spezialoperation“ des ukrainischen Geheimdienstes SBU und der Marine gewesen.

Eine eigene Beteiligung bestätigte der Geheimdienst zunächst nicht. Stattdessen veröffentlichte er auf Telegram ein eigenartiges Gedicht. „Nachtigall, lieber Bruder, die Brücke ist wieder 'eingeschlafen'. Einmal… zweimal! PS: Die Musik ist volkstümlich. Der Text – SBU“, war dort zu lesen.
Das ukrainische Militär bezeichnete den Brücken-Anschlag unterdessen als eine Provokation Moskaus. Eine Sprecherin des Kommandos Süd, Natalja Humeniuk, sagte im Sender Rada, das Vorgehen sei typisch.
Argumente für ein russisches Manöver lassen sich in Libmans Augen aber deutlich schwerer finden. „Symbolisch sind die Explosionen alles andere als gut für das russische Regime“, sagt er.
Das sieht auch Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck so. Der Politologe hat sich auf Internationale Beziehungen und Sicherheitsforschung im post-sowjetischen Raum spezialisiert.

„Russland hat keinerlei Interesse an der Beschädigung der Brücke“, sagt er im Gespräch mit FOCUS online. Wie Libman weist auch Mangott darauf hin, dass sie „ein wichtiger Versorgungsweg für die russischen Truppen auf der Krim und im Süden der Ukraine“ ist.
Die Brücke, die die 2014 von Moskau annektierte Krim und das russische Festland verbindet, wurde bereits im vergangenen Herbst angegriffen und beschädigt. Damals drohte Putin mit massiven Raketenangriffen auf die Ukraine als Reaktion.
Anschließend attackierte Russland monatelang verstärkt Städte und Infrastrukturobjekte im Nachbarland. Das russische Militär nahm im Herbst und Winter speziell ukrainische Energieobjekte ins Visier.
Welche Folgen wird der „Notfall“, wie Russland den Anschlag auf die Brücke zunächst betitelte, dieses Mal haben? „Das hängt vom Ausmaß des Schadens ab, den wir noch nicht genau und nur aus russischen Angaben kennen“, sagt Mangott. Sollte ein Straßenstück zwischen zwei Brückenpfeilern eingestürzt sein, dauert es nach Einschätzung des Experten mehrere Wochen, bis der Schaden repariert ist.

„Wie genau sich die Explosion auf das weitere Kriegsgeschehen auswirken wird, darüber kann ich nur spekulieren“, sagt Libmann. Der Politikwissenschaftler kann sich aber vorstellen, „dass Russland jetzt die Angriffe auf ukrainische Ziele zu intensiveren versucht“.
Ein Ende des von Russland völkerrechtswidrig angezettelten Krieges ist jedenfalls nicht absehbar. Seit fast 17 Monaten tobt die Auseinandersetzung in der Ukraine. Das Land hat angekündigt, alle besetzten Gebiete im Zuge einer Gegenoffensive zu befreien.

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