Grafik zeigt, wie die Grünen ins Fünf-Jahres-Tief stürzten

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Im März 2021 sah bei den Grünen alles super aus. In Umfragen kamen sie gut an. Die Zustimmungswerte der Partei haben seitdem jedoch stark geschwankt. Wir zeigen das Auf und Ab – und die Gründe dafür.

Mitte Juli gab die Mehrheit der Deutschen der Ampel-Koalition schlechte Noten. 54 Prozent der Befragten gaben im ZDF-Politbarometer an, unzufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung zu sein.
Die Stimmung ist gedrückt, der Ärger wächst. Das betrifft aber nicht nur die Koalition als Ganzes, sondern auch ihre Bestandteile. Besonders die Grünen können bei der Bevölkerung nicht mehr so punkten wie noch vor einigen Monaten. Die Partei hat, wie Habeck selbst, Höhen und Tiefen durchgemacht.
Wer sich die Umfrageergebnisse seit 2021 ansieht, kommt jedenfalls zu diesem Schluss. Frank Brettschneider, Politologe und Kommunikationswissenschaftler von der Universität Hohenheim, identifiziert mehrere Schlüsselereignisse in der jüngeren grünen Geschichte.
„Die Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2021, die Regierungsbeteiligung auf Bundesebene ab Ende 2021, der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Diskussion über Waffenlieferungen, die mögliche Gasmangellage, das Gebäudeenergiegesetz, aber auch grüne Niederlagen bei verschiedenen Landtagswahlen halte ich für wichtig, um die Entwicklung der Umfragewerte einzuordnen“, sagt er im Gespräch mit FOCUS online.
Damals, im März 2021 sah noch alles sehr gut aus für die Grünen.

„Die Grünen lagen in Umfragen bei knapp unter 30 Prozent“, sagt Brettschneider. Ein grandioser Wert. Doch das änderte sich rasch. Annalena Baerbock machte Fehler, Zweifel an ihrem Lebenslauf kamen auf. Es gab Plagiatsvorwürfe.
„Spitzenpolitiker werden anhand von drei Merkmalen bewertet: der wahrgenommenen Themenkompetenz , der wahrgenommenen Integrität und der wahrgenommenen Führungsqualitäten “, sagt Brettschneider. Diese drei Säulen gerieten bei Baerbock ins Wanken.
Wie aufrichtig ist eine Politikerin, die mehrere Stellen in ihrer Vita geschönt hat? Wie kompetent ist eine Politikerin, wenn sie gar keine Juristin ist, wie sie es immer verkauft hat? Und welche Führungsqualitäten hat eine Frau, die nie in einer Regierungsrolle tätig war?
Die Grünen stürzten in den Folgemonaten ab. Rund um die Bundestagswahl im September 2021 lagen ihre Zustimmungswerte in Umfragen von Kantar oder Infratest Dimap nur noch bei rund 16 Prozent.
Am Wahltag holte die Partei 14,8 Prozent. „Das war vor allem eine Folge des Absturzes von Annalena Baerbock und ihren persönlichen Verfehlungen“, sagt Brettschneider.

Das heißt: Baerbock bekam ein Glaubwürdigkeitsproblem und riss ihre Partei mit sich in den Abgrund. Die Grünen blieben bei der Bundestagswahl weit hinter ihren Möglichkeiten. In die Regierung schafften sie es trotzdem.
Das Umfragetief hielt an, erst im März 2022 gelang es der Partei, ihre Zustimmungswerte wieder nach oben zu treiben. Der Ukraine-Krieg hatte gerade begonnen und die Welt, allen voran die Ukraine und Europa, stand unter Schock.
Westliche Länder entschieden sich dazu, kein Gas mehr aus Russland zu beziehen. Es war der Beginn der Energie-Krise. Die Grünen konnten vom Chaos profitieren, den Deutschen gefiel ihre Haltung zum Krieg.
Es schien, als würde die Partei ihre eigenen Werte über Bord werfen. Plötzlich waren die Grünen offen für Gas-Deals mit Autokraten, sprachen sich für Waffenlieferungen in Kriegsgebiete aus und unterstützten das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr.

Baerbock verkaufte das als Stärke. In außergewöhnlichen Zeiten bereit sein, außergewöhnliche Entscheidungen zu treffen, sozusagen. „Bis zum August 2022 legten die Grünen in Umfragen dann wieder deutlich zu. In Umfragen lagen sie bei rund 25 Prozent“, sagt Brettschneider.
Er bewertet das auch als Erfolg Habecks, der mit seinem Kommunikationsstil punkten konnte. Pragmatisch und ehrlich, so wurde er interpretiert. Habeck, der Mann, der keine Angst davor hat, Probleme und Zweifel anzusprechen, seine Gedankengänge mit den Zuhörern zu teilen.
Doch dann setzte bei den Grünen wieder der Sinkflug ein.
Im Mai lagen ihre Zustimmungswerte in Umfragen nur noch bei rund 14 Prozent. Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Zum einen die Causa Patrick Graichen. Habecks ehemaliger Staatssekretär war an der Vorauswahl für den Chefposten der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur beteiligt.

Er brachte seinen Trauzeugen ins Spiel, der die Stelle auch bekam. Transparent gemacht hatte Graichen das persönliche Verhältnis aber zunächst nicht. Habecks Vertrauter musste seinen Posten letztlich räumen. Für die Umfragewerte der Grünen waren die Vetternwirtschaft-Vorwürfe vermutlich Gift. Aber das ist nicht alles.
Brettschneider ist überzeugt: Vor allem die Debatte über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schadete den Grünen.

Ob sich die Grünen wieder fangen, hängt laut dem Politologen von mehreren Faktoren ab, unter anderem dem Funktionieren der Bundesregierung und dem Verhalten der Partei an sich.

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