Mit Millionen finanzierte Deutschland einen russischen U-Boot-Friedhof mit

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#russland #murmansk
Der Kreml, Sibirien, Wodka. Und dann? Kaum ein Land hat so viele unbekannte Seiten und birgt so viele Geheimnisse wie Russland. In unserer FOCUS-online-Serie „Inside Russia“ wollen wir diesen auf die Spur gehen. Heute im Blickpunkt: Der russische Atom-U-Boot-Friedhof in der Sajda-Bucht.

Murmansk auf der russischen Halbinsel Kola nördlich des Polarkreises. Hier, nur etwa 150 Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt, sah es noch bis ins 21. Jahrhundert so aus. Bilder wie aus einem Atomkrieg. Und das ist gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Über 180 atomwaffenfähige U-Boote lagerten in den Buchten der Barentsee. Bis 2006 war jedes einzelne von ihnen eine potenzielle Massenvernichtungswaffe.  Die rostigen Überreste der Boote – der einstige Stolz der sowjetischen Marine zu Zeiten des Kalten Krieges. Nach der Wende 1990 eines nach dem anderen ausrangiert.

Doch schnell war klar: In Murmansk läuft Russland die Zeit davon. Instabile Reaktorkammern hätten in der gesamten nördlichen Hemisphäre eine Katastrophe von ungeahntem Ausmaß bedeutet. Bevor aber Salzwasser und Frost ihr Werk verrichten und den nuklearen Supergau auslösen konnten, arbeitete man dort seit Beginn der 2000er-Jahre mit Deutschland zusammen an einer Lösung für das Atom-U-Boot-Problem.

In der Sajda-Bucht, ungefähr 60 Kilometer nördlich von Murmansk gelegen, fand man schließlich einen geeigneten Ort für ein Langzeitlager. Und in Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung entstand dort in der eiskalten russischen Bucht bis 2006 die bis dato weltgrößte Anlage für die Entsorgung radioaktiven Atommülls. Insgesamt 558 Millionen Euro an deutschen Steuergeldern flossen im Rahmen des G8-Programms in die Errichtung.

Am 18. Juli 2006, kurz nach dem Ende der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, eröffnete der damalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Anlage, von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet. „Gott sei Dank ist diese Flotte nie erprobt worden“, sagte er damals zu Journalisten. „Sie hätte die Hälfte der Menschheit auslöschen können.“ Fast zwei Milliarden US-Dollar hatte sich die sowjetische Regierung den Bau der U-Boote ihrerzeit kosten lassen.

Seitdem werden die rostigen Schiffe in der Murmansker Werft auseinandergeschweißt und die übriggebliebenen Reaktorsektionen in der gigantischen Stahlkonstruktion in der Sajda-Bucht aufbewahrt. Dort glühen sie vor sich hin – jede einzelne Sektion mindestens 80 Jahre lang. Dann ist die Strahlung so weit abgeklungen, dass man die Reste gefahrlos zerlegen kann.

Als problematisch erweist sich allerdings der Zugang für deutsche Delegationen. Am Ausgang der Sajda-Bucht liegt Gadschijewo, eine der 40 nach wie vor geschlossenen Städte Russlands. Wer hier rein oder raus will, braucht eine Sondergenehmigung. Hinzu kommen die politischen Spannungen durch den Ukraine-Krieg. Jahrelang haben zahlreiche Länder mit den Russen zusammen an der Entsorgung von Atommüll gearbeitet. Doch seit Ende Februar liegen laut dem Staatsunternehmen Rosatom alle Projekte auf Eis. Wie Russland seitdem mit dem Atommüll im eigenen Land umgeht, weiß niemand so genau.

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