Mit Zaren-Vergleich will Putin Cherson-Rückzug als Sieg verkaufen

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Kurz vor einem möglichen Rückzug der russischen Armee aus dem besetzten Cherson in der Südukraine bereiten sich auch Kreml-Propagandisten auf eine der größten Niederlagen seit Kriegsbeginn vor.

Die Präsidialverwaltung habe mehrere Propaganda-Handbücher für die Mitarbeiter von staatlichen Medien vorbereitet, wie das unabhängige russische Exil-Medium „Meduza“ unter Berufung auf kremlnahe Quellen berichtet.
Kiew sei bereit, „zehntausende seiner eigenen und fremder Soldaten zu töten“, um dem Westen „die Kampffähigkeit seiner terroristischen Gruppen“ zu beweisen und so neue Waffen zu bekommen. Der Kreml bedient damit gezielt das russische Narrativ, bei der Ukraine handele es sich um einen Terrorstaat, der vom Westen unterstützt wird. „Selenskyj will eine blutige Show für den Westen arrangieren“, heißt es in der Handreichung für Kreml-Berichterstatter.

In einem zweiten Handbuch sollen die Staatsmedien dann mit historischen Vergleichen argumentieren. So empfiehlt die Präsidialverwaltung, auf eine Rede des russischen Historikers Anatoli Torkunow zu verweisen. Bei einem Treffen mit Putin verglich Torkunow den Kampf um Cherson mit der Schlacht von Poltawa unter Zar Peter I. (Juni 1709). Auf dem Gebiet der heutigen Ukraine konnte der Zar damals den Großen Nordischen Krieg gegen Schweden für Russland entscheiden. Torkunow sagte demnach, dass auch Zar Peter sich nach Poltawa zurückzog – und anschließend den Krieg für sich entscheiden konnte.
Moskau wirft der Ukraine weiter vor, einen „Terroranschlag“ auf den Kachowka-Staudamm am Fluss Denjpr zu planen und dabei neben Zivilisten auch das russische Militär „einfach wegzuspülen“. Immer wieder werfen sich die Ukraine und Russland gegenseitig vor, den Staudamm zerstören zu wollen. Russische Medien berichteten bereits von ukrainischen Angriffen – eine offizielle Bestätigung dafür ist jedoch noch nicht erfolgt.

Von den eigenen Kriegsverbrechen ist keine Rede. „Russische Truppen bemühen sich, das Leben von Zivilisten und Militärangehörigen zu retten“, zitiert das Online-Medium aus dem Handbuch. Moskau begann bereits Mitte Oktober mit sogenannten Zwangsevakuierungen und rief Zivilisten dazu auf, die Stadt zu verlassen. Augenzeugen zufolge gleicht die Großstadt mittlerweile eher einer Geisterstadt.
Die russischen Besatzer im südukrainischen Cherson stehen zunehmend unter Druck. Die Truppen versuchen derzeit, ihre Stellungen an der Ostseite des Denjpr zu halten – kämpfen aber mit Versorgungsschwierigkeiten. Immer wieder beschießt die Ukraine eine Brücke über den Fluss, um den russischen Nachschub auszubremsen. Putins Kommandeur Sergej Surowikin kündigte bereits Ende Oktober „schwierige Entscheidungen“ an, was Beobachter als Indiz für einen Rückzug aus Cherson deuteten.

Letztendlich liege diese Entscheidung laut „Meduza“ aber bei Präsident Wladimir Putin. Laut Kreml-Quellen würden die russischen Behörden die Kapitulation in Cherson zwar als „unerwünschtes“ aber dennoch „wahrscheinliches“ Szenario an der Front betrachten. Die Handbücher dazu scheinen immerhin schon geschrieben.

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