Neue Studie enthüllt: Extreme Kaltzeit vertrieb Frühmenschen für Jahrtausende aus Europa

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Eine neue Studie zeigt, wie eine Kaltzeit vor über einer Millionen Jahren beinahe alle Frühmenschen aus Europa vertrieb. Zehntausende Jahre lang war Europa damit menschenleer, bevor sie als Vorfahren der Neandertaler zurückkehren konnten.

Lange bevor der Homo sapiens nach Europa kam, lebten in dort schon frühe Menschenformen. Diese Vorfahren der Neandertaler entwickelten sich in Eurasien aus dem Homo erectus und anderen archaischen Menschenformen und wanderten dann nach Europa ein. Aber wann? Fossilfunde aus dem georgischen Dmanisi belegen, dass erste Vertreter unserer Gattung schon vor 1,8 Millionen Jahren den Kaukasus erreicht hatten. In Italien und Spanien sind die ältesten Funde 1,5 und 1,4 Millionen Jahre alt.

Ungeklärt ist, wie es mit diesen ersten Europäern weiterging. Denn in den Fossilfunden klafft eine große Lücke: Die nächsten europäischen Fossilfunde – Schädelfragmente des Homo antecessor – stammen erst wieder aus der Zeit vor rund 850.000 Jahren. Aber warum? Sind aus der Zwischenzeit einfach nur noch keine Fossilien gefunden worden? Oder steckt möglicherweise mehr dahinter? Dieser Frage ist nun ein Forschungsteam um Stringer und Erstautorin Vasiliki Margari nachgegangen.

Die Forschenden haben untersucht, welches Klima in Europa während der Fossillücke zwischen 1,4 und rund einer Million Jahren herrschte. Nach gängiger Annahme gab es damals einen Wechsel zwischen eher milden, nur gemäßigt kühlen Kaltzeiten und warmen Zwischeneiszeiten mit Temperaturen ähnlich den heutigen. Eine erste größere Vereisung ereignete sich erst nach dieser Zeit. Daher hätten die ersten Frühmenschen zumindest im Mittelmeerraum noch genügend klimatisch geeignete Refugien haben müssen – so die bisherige Annahme.
Doch die neuen Daten zeichnen ein anderes Bild: „Zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass es schon vor rund 1,1 Millionen Jahren eine Kaltzeit gab, die mit einigen der harschesten Phasen der letzten Eiszeiten vergleichbar war“, sagt Margari. Ein vor der Küste von Portugal entnommener Sedimentbohrkern zeigt für diese Zeit isotopische und fossile Veränderungen, die auf einen starken Einstrom von Meerwasser aus arktischen Breiten vor 1,15 Millionen Jahren hindeuten. Dadurch sanken die Temperaturen der oberen Meeresschichten vor der Küste Portugals auf nur noch sechs Grad ab.

An Land verursachte der Kälteeinbruch einen Rückgang der zuvor üppigen Vegetation: Wälder verschwanden und eine karge Kältesteppe breitete sich aus. Die in den Bohrkernen konservierten Pollen belegen, dass die Pflanzendecke selbst auf der iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum ausgedünnt war – nur noch wenige robuste Gräser überdauerten. „Der nordatlantische Kälteeinbruch verwandelte die Vegetation Westeuropas in eine unwirtliche Halbwüsten-Landschaft“, berichtet Margari. Vermehrte Gletschersedimente im Bohrkern deuten zudem auf eine zunehmende Vereisung des Kontinents hin.
Entgegen bisherigen Annahmen erlebte Europa demnach schon vor rund 1,1 Millionen Jahren eine heftige Kaltzeit mit starker Vereisung. Diese Kaltphase hielt zudem ungewöhnlich lange an: Die auch als Marine Isotope Stage (MIS) 34 bezeichnete Periode zunehmend kälterer Klimakapriolen dauerte rund 31.000 Jahre – deutlich länger als frühere Kaltzeiten dieser Ära. Nach Ansicht der Forschenden könnte dies die Ausbreitung der Gletscher über Europa noch mehr gefördert haben.
Was aber bedeutete dies für die ersten Frühmenschen in Europa? „Die anhaltende Klima-Instabilität im MIS 34 war für die damalige Homininen-Population eine erhebliche Belastung“, konstatieren Margari und ihr Team. Um herauszufinden, ob die ersten Europäer dennoch überlebt haben könnten, speisten die Forscher ihre Daten in ein Klimamodell ein, das die Auswirkungen des Kälteeinbruchs auf Temperaturen und Vegetation mit den Toleranzgrenzen früher Menschen und ihrer damaligen Verbreitung verknüpfte.

Das Ergebnis: Der Kälteeinbruch vor 1,1 Millionen Jahren machte Europa für diese frühen Menschen weitgehend unbewohnbar – selbst am Mittelmeer. „Die Klimabedingungen entfernten sich damals weit von der bevorzugten Klimanische der frühen europäischen Homininen“, berichten die Forschenden. Hinzu kommt: Anders als später der Neandertaler besaßen diese Frühmenschen wahrscheinlich noch nicht das Wissen und die Fähigkeiten, um Feuer zu machen, sich warme Kleidung zu fertigen oder schützende Unterkünftige zu bauen.

„Unsere Entdeckung einer extremen eiszeitlichen Kaltphase vor rund 1,1 Millionen Jahren widerspricht damit der Annahme einer kontinuierlichen Besiedlung Europas schon durch diese frühen Menschen“, sagt Seniorautor Chronis Tzedakis vom University College London.

„Unserem Szenario zufolge wurde Europa erst vor rund 900.000 Jahren wieder rekolonisiert“, erklärt Stringer. Die dann erneut aus Eurasien einwandernden Frühmenschen – möglicherweise der Spezies Homo antecessor – waren jedoch schon weiterentwickelt.

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