Zwischen Plattenbauten und Atomraketen: Das ist Putins Mini-Reich mitten in Europa

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Seit Samstag ist der Bahntransit zwischen Russland und der Exklave Kaliningrad durch Litauen stark eingeschränkt. Die Reaktion aus Moskau folgte prompt: Diese Blockade sei illegal und „eine Verletzung von allem“. Denn Kaliningrad hat innerhalb Europas eine besondere Geschichte.

Litauen blockiert laut Berichten seit Samstag etwa 40 bis 50 Prozent der Transitgüter nach Kaliningrad. Das sei illegal, Elemente einer Blockade seien vorhanden. So drückte es Kreml-Sprecher Dmitri Peskov aus.
Eine Reaktion werde folgen, sagte auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa: „Wir behalten uns das Recht vor, zum Schutz unserer eigenen nationalen Interessen zu handeln.“ Im Angesicht des Ukraine-Krieges eine beunruhigende Äußerung.

Kaliningrad ist für Russland von hoher militärischer Bedeutung. Ursprünglich unter dem Namen Königsberg ein Teil von Ostpreußen, wurde das Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion annektiert. 1946 bekam es seinen neuen, aktuellen Namen.
Während der Sowjetzeit bis 1992 war das Gebiet vom Westen größtenteils abgeschottet. Seitdem existiert es als eigenständige Exklave, heute ist der Ort an der Ostseeküste vor allem von Plattenbauten aber auch von vielen Parks und freien Flächen geprägt. Auch Bauruinen wie etwa das Haus der Sowjets sind Teil des Stadtbilds. Für die Menschen besteht ein reiches Kulturangebot an Museen, Theatern und Denkmälern.

Im krassen Gegensatz dazu sind auf dem Gebiet Kaliningrads allerdings nach Angaben Russlands auch mehrere atomwaffenfähige Iskander-Raketen stationiert. Erst Anfang Mai simulierte Moskaus Militär den Start einer solchen Rakete – die in unter 10 Minuten bis nach Berlin fliegen könnte, wie die russische Propaganda immer wieder betont.  
Die Angst vor dem übermächtigen Nachbarn ist auch in Litauen groß – obwohl das baltische Land den Transitverkehr in das Gebiet nun nicht aus eigenen Stücken, sondern als Teil des sechsten Sanktionspakets der EU gegen Russland einschränkt.

Kaliningrad trennt vom Rest des riesigen russischen Reiches eine gerade einmal 60 Kilometer lange Landbrücke. Diese führt direkt durch Litauen und wird im Nato-Militärsprech als sogenannte „Suwalki-Lücke“ bezeichnet. Sollte Russland seine angekündigten Reaktionen tatsächlich umsetzen und Litauen angreifen, würden die russischen Streitkräfte laut Einschätzung der Nato versuchen, diese Lücke innerhalb von 30 bis 60 Stunden zu schließen und so das Baltikum vom Rest der Nato-Länder abzuschneiden.
Militärexperte William Alberque vom Londoner International Institute of Strategic Studies, erklärt im Interview mit t-online: „Russland könnte Kaliningrad für das nutzen, was wir 'a to ad' nennen: eine Flugverbotszone zur Luftverteidigung, die dem Feind das Gebiet unzugänglich macht. Sie könnten dann einfach weitermachen und Schritt für Schritt das Baltikum erobern“, so Alberque. „Das war schon immer die große Angst, die von der Suwalki-Lücke und Kaliningrad ausgeht.“
Unterdessen ist in der EU bereits die Rede davon, die Sanktionen gegen die russische Exklave noch auszuweiten. Bis Ende sollen dann über Litauen auch kein Öl und keine Kohle mehr nach Kaliningrad gebracht werden. Der Kaliningrader Gouverneur Alichanow kündigte an, die Rohstoffe künftig über den Seeweg beziehen zu wollen.

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